Vor jetzt fast 9 Monaten habe ich an meinem Briefkasten, nachdem der klitzekleine Aufkleber "Keine Werbung" nicht weiterhalf, einen Offline-Werbeblocker angebracht. Das hat das Werbeaufkommen drastisch reduziert, aber nicht verhindert. Hier also meine Erfahrungen mit dem Schneckenpost-Spam.

Der erste Fall war ein örtliches Werbeheftchen das schätzungsweise im August hier aufschlug. Dagegen gibt es eine Handhabe. Man kann direkt klagen, oder eine einstweilige Verfügung versuchen zu erwirken (beides recht heftig), oder man kann erstmal abmahnen. Das kostet den Verursacher je nach Fall etwa 400-500 Euro. Er muss eine Unterlassungserklärung unterschreiben und zahlt im Wiederholungsfall eine Strafe von 5.000 Euro direkt an den Geschädigten (also mich). Das sah mir zweckmäßig aus, also mailte ich einem Anwalt, lies mich beraten und entschied mich dann für die Abmahnung. Der Erfolg war, dass der Verursacher in seinem Antwortbrief erklärt hatte, es könne gar kein Schild am Briefkasten gewesen sein. Denn wäre dort eins gewesen, hätte man selbstverständlich keine Werbung eingeworfen. Wenn die Abmahnung erfolglos ist, zahlt erstmal der Geschädigte. Da hatte ich dann also nicht nur einen kackendreisten Typ, der mir gegen meinen Willen Werbung schickt, sondern auch noch 500 Euro an der Backe. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen, dementsprechend haben wir also geklagt.

Von so einer Klage kriegt man erstmal nicht viel mit. Ich hatte per Mail Kopien des Schriftverkehrs zwischen dem Gericht und meinem Anwalt gekriegt, unter anderem standen in einem Schreiben auch die Verfahrenskosten in Höhe von etwa 2.000 Euro drin - im Fall eines verlorenen Verfahrens hätte ich die zahlen müssen. Dann hatte ich irgendwann einen Brief im Briefkasten. Die Vorladung zur Hauptverhandlung im April. Soweit kam es dann aber nicht. Der Gegner schrieb ans Gericht, dass er die Klage anerkennt, hat sich somit einen Teil der Kosten gespart. Ich kriege meine Abmahnungkosten wieder, die Verfahrenskosten und den Anwalt zahlt auch der Gegner, für mich also alles kostenlos. Und wenn ich jetzt erneut Werbung von genau dieser Firma kriege, muss der Laden eine vierstellige Vertragsstrafe an mich zahlen. Die machen also in Zukunft einen großen Bogen um meinen Briefkasten. Das ist genau das, was ich von Anfang an wollte. Die einzige Frage, die für mich offen bleibt: Wieso nimmt man den Hinweis am Briefkasten nicht gleich ernst? Hätte viel Ärger erspart.

Der nächste Fall ist weitaus dreister. Ein Internetprovider hat mir, ebenfalls letztes Jahr, auch Werbung geschickt. Ich habe abgemahnt. Statt überhaupt irgendwas zu erklären, schrieb die gegnerische Anwältin, das Schreiben sei zur Kenntnis genommen worden, gezahlt wird trotzdem nicht. Zack. Ich sitze also wieder auf den Kosten. Statt eine zweite Klage parallel anzustrengen und am Ende noch per Geld zu verschleudern (rechnerisch wären das dann insgesamt 5.000 Euro), wollte ich lieber auf den Ausgang des ersten Verfahrens warten. Jetzt, wo das gewonnen ist, kriege ich erneut Werbung von diesem Provider. Zwei Mal hintereinander in der Woche. Das ist so dreist, was bleibt mir anderes übrig? Jetzt wird also wieder geklagt.