Man sagt hier, Russland versteht man nicht mit dem Kopf (Умом Россию не понять). Einige Dinge laufen hier etwas anders, vor allem die russische Sprache ist weiterhin verwirrend. Gehe ich in Deutschland mit jemandem spazieren (Wichtiges Wort! гуля́ть), dann sage ich: "Ich gehe spazieren, mit meiner Freundin", während man hier wörtlich sagt "Wir gehen spazieren, mit meiner Freundin", auch wenn man nur zu zweit ist. Man selber, plus die Freundin. Besonders lustig ist das, wenn man ausdrücken möchte, dass man mit der Freundin im Bett liegt. "Wir liegen im Bett, mit meiner Freundin" klingt eher nach einem Dreier. Wobei der Satz gleich lauten würde, wäre es wirklich ein Dreier. Raffiniert, nicht wahr?

Auch war ich etwas verwirrt, was die Verneinungen anbelangt. Wer auf den Satz "Warst du etwa nicht da?" mit "Ja." antwortet, meint eigentlich "Nein, ich war nicht da". Eigentlich ist das Deutsche da etwas unlogisch. Glücklicherweise habe ich ja meine drei sympatischen Übersetzerinnen, die derartige und andere Verwirrungen aufzuklären wissen. :)

Die Sehenswürdigkeiten sind uns übrigens auch noch nicht ausgegangen. In der Эрмитаж kamen wir aus dem Staunen kaum noch herraus. Ein Raum verschnörkelter und vergoldeter als der andere! Wir hatten leider nur eine Stunde Zeit, um durchzujagen und haben bei weitem nicht alles gesehen. Man kann eigentlich Wochen darin verbringen ohne etwas mehrmals anzusehen. Zum Glück ist der Eintritt für Studenten jedes Landes umsonst. Schade, dass die Zeit der großen Künstler vorbei ist und die meisten Gegenstände des täglichen Gebrauchs heutzutage ganz pragmatische Formen haben. Ich will auch klassizistische Zuckerdosen und Stuckdecken! Entweder wir kaufen uns einen Palast (leider sehr teuer), oder wir legen uns einen 3D-Drucker zu und drucken den ganzen Kram einfach nach.

Gestern und heute haben wir uns ansatzweise in das St. Petersburgische Nachtleben hineingestürzt. Um dem Alkoholismus entgegenzuwirken, wird hier ab 23 Uhr kein Alkohol mehr verkauft und die zahlreichen kleinen Bars sind eher teuer. Geraucht wird hier überall, in Bars wie in Restaurants, und mehr als in Deutschland, denn Zigaretten sind billig. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch herausgefunden, dass man mitnichten "Na starowije!" zum Anstoßen sagt, sondern eher im Sinne von "Bitte schön!". Wörtlich übersetzt, heißt es "Auf die Gesundheit" und so machen sich die Russen einen Spaß daraus, wenn man sie nach Zigaretten anschnorrt, welche mit ebendiesen Worten zu überreichen - "Zigaretten, auf die Gesundheit!".

Heute ging es dann in die стирка 40°. Das ist eine Mischung aus Waschsalon und Bar. Man sagte mir, sogar Mick Jagger sei schon zu Gast gewesen. Insgesamt sehr stylisch, aber der Geruch nach Waschmittel ist in einer Bar doch eher ungewöhnlich. Übrigens besteht der russische Whisky-Cola zur Hälfte aus Hochprozentigem. An der Cola schätzt man hier mehr die färbenden Eigenschaften. Betrunken wird man davon trotzdem nicht signifikant. Ich wollte weitere Studien über die russische Schnapspanscherei anstellen, aber der frühe Betriebsschluss der Metro zwang uns zum Rückzug. Bei der gibts es übrigens keine Anzeige, wann die nächste Bahn ankommt, sondern nur, wann die letzte abgefahren ist. Warum das so ist, habe ich noch nicht rausgefunden. Aber wie gesagt, hier ist alles etwas unlogisch. Russland versteht man nicht mit dem Kopf.