Die erste Hauptfeststellung des Tages war, dass deutsche Grenzbeamte nicht auf Geldscheine im Reispass stehen. Mir war ein Schein, den ich lose in meiner Tasche hatte, zwischen die Seiten des Passes gerutscht. Als ich den dann dem Securitymenschen unter die Nase hielt, fiel es mir auf. Ups. Ich glaube, mein Pass wurde noch nie so gründlich durchgeblättert. In Russland hätte ich vielleicht einen Schein reinlegen sollen, aber dazu später mehr.

Nach der Passkontrolle Diskussionen am Check-In, weil der Name nicht so ganz korrekt geschrieben war. Ich hatte zwar mit Airberlin nach einigen telefonischen Diskussionen eine kostenlose Namensänderung ausgehandelt, aber so ganz hatte die es nicht ins System geschafft. Die erste Frage lautete also: "Haben Sie gerade geheiratet?". Nach diversen Telefonaten war die Sache erledigt und zufälligerweise sitzen wir auf den bequemsten Plätzen des Fliegers. Direkt am Notausgang. Das bedeutet volle Beinfreiheit und zu allem Überfluss ist der Platz neben uns frei. Ich mag also Airberlin.

Insgesamt gestaltete sich die Reise also recht kuschelig bis jetzt. Das war, was ich noch im Flugzeug schrieb. Hätte ich nicht tun sollen, es folgten Luftlöcher, Turbulenzen und Unwohlsein. Als wir am Flughafen aufschlugen, hatte uns weder die permanent kichernde Saftschubse, noch Mr. "Ich nehm ihnen mal kurz ihren Laptop ab und werfe Ihn hier hinein" Einreiseformulare gegeben. Wir standen also fast 90 Minuten in der Schlange, und wurden dann direkt wieder nach hinten gestellt, weil eben diese Formulare fehlten. Im Formular steht nichts anderes drin als im Visum und wozu die das brauchen, ist mir schleierhaft. Russische Bürokratie ist mächtig. Und es gibt nichts respekteinflößenderes als von einer dicken Russischen Frau ein "пaспорт!" (Pass!) entgegengeschleudert zu kriegen.

Am Flughafen wurden wir von unserer namenlosen, aber stachelbeerigen Reiseführerin :) abgeholt und das erste, was ich tat, war ein paar Rubel aus dem Automaten zu ziehen und mir direkt am Flughafen eine Internetflat zu besorgen. 12 Tage Handy und Internet kosten hier gerade mal 300 Rubel, das sind etwa 8 Euro.

Und weil sich Aleksey, der SIM-Karten-Dealer, in Euro bezahlen ließ, dachte ich dass auch das Hotel Euro nimmt. Fehlanzeige. Auch der Wechselautomat weigerte sich vorerst, mir Geld zu tauschen. Der erste Tag ging also zu Lasten meiner Kreditkarte. Auf die anstehenden Diskussionen über die Bankgebühren freue ich mich jetzt schon.

Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel war sehr russisch. Die Busse hier haben keinen Fahrplan. Weder Zeit, noch Stationen sind irgendwo ausgehangen. Man muss sich durchfragen. Wer kein Russisch kann, halt halt Pech. Statt Bussen sehr beliebt ist auch die Marshrutka. Etymologisch stammt das von "Marsch-Route" ab und genau so fühlt es sich an. Die Schlaglöcher haben, wie alles in St. Petersburg, kollosale Ausmaße. Flugzeugturbulenzen sind ein Witz gegen eine echte russische Marshrutka, die in ein echtes russisches Schlagloch knallt.

Außerdem scheint der Auspuff nicht so ganz dicht gewesen zu sein, denn das leicht angerostete Fahrzeuginnere wurde etwas mit Abgas eingenebelt. Meine Nasenlöcher sind auch weiterhin ganz schwarz und eine ordentliche Portition Kohlenmonoxid war meiner Schlagloch-Turbulenzen-induzierten Reisekrankheit auch sehr förderlich.

Von der Metrostation, die dem Hotel am nächsten ist, mussten wir noch eineinhalb Kilometer zum Hotel laufen, für russische Verhältnisse ein Katzensprung (man sagt hier "zwei Schritte").

Anschliesend waren wir mit Freunden der Stachelbeere etwas essen. Mein Russisch ist noch nicht so ganz der Knaller ("Ich bin sehr Schaschlik"), so dass wir mit Deutsch und Englisch zurecht kommen mussten. Das geht stellenweise ganz gut, stellenweise überhaupt nicht. Ich verstehe auch noch nicht ganz, was die Russen hier mit den Schweden haben. Was bei uns ein Buffet ist, ist hier "Шведский стол", also "schwedischer Tisch". Eine Patchworkfamilie ist hier wörtlich übersetzt eine schwedische Familie. IKEA gibt es hier übrigens auch, es ist aber, genau wie H&M und der ganze andere Westkram ca. 30% teurer als in Deutschland.

Zurück ging es mit der Metro, also der St. Petersburger U-Bahn. Die funktioniert ganz anders als in Deutschland. Man kauft hier spezielle Metro-Münzen, die wirft man am Eingang ein und dann kann man hinfahren wo man will. Für umgerechnet 64 Cent durch die ganze Stadt, das ist echt billig. Außerdem ist die St. Petersburger Metro eine der tiefsten U-Bahnen der Welt. Ich hab das mal kontrolliert. Stimmt. Man muss 5 Minuten extra einplanen, die man auf der Rolltreppe steht. Zum anderen ist sie um Punkt 12 dicht. Wenn man bedenkt, dass die Sonne erst gegen 23 Uhr untergeht, ist das bemerkenswert.

St. Petersburg liegt sehr nördlich, und gegen Juni gibt es hier sogenannte weiße Nächte. Die Sonne sinkt zwar etwas unter den Horizont, es bleibt aber hell. Im Moment haben wir auch schon viel Sonne und der Himmel wird nachts nicht wirklich schwarz. Eher dunkelblau. Die Sonnenuntergänge dauern mehrere Stunden und tauchen die ganze Stadt in oranges Licht. St. Petersburg ist wirklich eine wunderschöne Stadt, und in dem Licht: Genial! Prunkbauten und verschnörkelte Häuser an jeder Ecke, alles überspannt von einem typisch Russischen Netz aus Stromkabeln, quer über die Häuser. Es ist klasse hier. Solltet ihr euch auch mal ansehen.