Es ist traurig. Eigentlich wollte ich mich ja zu später Stunde über den momentanen Zustand des Sexismus in Deutschland aufregen, aber Ubuntu lässt mir keine Wahl. Was gibt es schlimmeres als einen Haufen miesgelaunter Kampflesben, die einem weismachen wollen, dass Frauen definitiv keinen Spass am Sex haben und dass Penetration ein partriarchalisch-unterdrückender Gewaltakt ist? Richtig: Das neue Ubuntu 11.10.

Unity riecht übel

Nach dem Upgrade auf Ubuntu 11.10 wird man, (wie schon bei der vorherigen Version) gezwungen Unity zu benutzen. Wer Unity noch nicht kennt: Der neu entwickelte Desktop für Netbooks, den die Ubuntuentwickler zum Standard für jeden Benutzer ernannt haben. Ob ich jetzt ein Netbook habe oder zwei fette 21-Zöller an meiner Workstation ist unerheblich. Nach dem Upgrade wird meine Gnome2-Konfiguration gelöscht und ich werde zu Unity gezwungen. Friss das, User!

Da ich kein besonderer Freund von Zwang bin, installiere ich also meinen alten Gnome2-Desktop. Doch der hat offenbar nicht viel Softwarepflege erhalten, denn die Panels lassen sich nicht verschieben und es gibt Farbdifferenzen zwischen den Einträgen der Panels und den Inhalten. Auch die Einstellungen funktionieren nicht. Da ich also modern bin und von Upgrades gewohnt bin, dass die Dinge dannach besser funktionieren, installiere ich Gnome3. Doch der Desktop funktioniert nicht wie gewohnt. Alles hat sich geändert. Gnome3 kombiniert die Nachteile von Windows mit den Nachteilen von Mac OS X und baut noch eine Menge weiterer Hässlichkeiten ein. Der Albtraum beginnt.

Alt-Tab ist kaputt


Mit Alt-Tab ist man gewohnt, zwischen Fenstern zu wechseln. Eingabe ins eine Fenster, Alt-Tab, Eingabe ist nächste Fenster. So war ich das gewohnt. Gnome 3 gruppiert die Fenster nach Applikationen, so dass man zwischen zwei Terminalfenstern mit Alt-Tab, Alt gedrückt halten, Pfeil links, Pfeil runter, Pfeil rechts wählen muss. Außerdem erreicht man über Alt-Tab auch die Fenster von anderen Workspaces. Das ist keine Innovation, das ist völlig kaputt. Kein Wunder also, dass man
einen ganzen Haufen Bugreports zum dem Thema findet, obwohl eigentlich alles in Ordnung ist.

Shutdown verboten?


Die Festplattenverschlüsselung, die ich benutze, damit meine Daten nicht in die falschen Hände geraten, schöpfen ihre Sicherheit unter anderem daraus, dass die Schlüssel nicht in die falschen Hände geraten. Während der Rechner an ist, liegen im Arbeitsspeicher. Damit der Rechner also gesichert ist, muss ich ihn herunterfahren. Doch, wer hätte des gedacht: Mit Gnome 3 geht das nicht. Ja, richtig. Ich kann meinen Computer nicht mehr ausschalten, dafür gibt es wenigstens eine Option für einen Suspend-Mode. Und da ich das selbst auch nicht gelaubt hätte, nebenstehend der Bilderbeweis.

Um den Rechner richtig herunterzufahren, muss man erst die Alt-Taste gedrückt halten, dann verwandelt sich der Eintrag. Möchte man ihn dauerhaft angezeigt haben, muss eine Gnome Shell Extension installiert werden.

Abstürze und anderes

Ach, und natürlich stürzt der Window-Manager permanent ab, wenn man mit GVim arbeitet. Das sei nur am Rande erwähnt. Außerdem funktioniert Hamster Time Tracking mit Gnome3 nur schlecht. Die meisten Einstellungen sind vor mir verborgen. Fenster lassen sich nicht minimieren. Berühre ich die linke obere Ecke meines Bildschirms mit der Maus, komme ich in einen Activity View, den ich erst wegklicken muss. Es geht endlos so weiter.

Ist die Linux-Entwicklergemeinde komplett hirntot? Gibt es bald kein Linux mehr auf dem Desktop? Die Systeme werden langsam unbenutzbar. Unity, Gnome 3, ... Der Trend geht dazu, Dinge vor dem Benutzer zu verstecken, ihn zu entmündigen und ihm das Leben möglichst schwer zu machen. Eindeutig die falsche Richtung. Wenn ich demnächst die Alt-Taste drücken muss und drei Sicherheitsabfragen bestätigen, dann wechsele ich freiwillig zu Windows. Oder OS X.

Jungs, bitte! Ich will mehr Commandline, ich will bedienbare und funktionierende Software und ich will nicht zehn Mal klicken um ein Terminal zu öffnen. Gibt es noch eine Rettung oder muss ich wirklich KDE benutzen?